Monatsarchiv: August 2012

Nico Semsrott

Kurzbiographie

Erzogen von geistlich behinderten Lehrern an einer katholischen Ordensschule im eiskalten Herzen Hamburgs, zog es den kleinen Nico schon in jungen Jahren in die weite Welt hinaus. Gottes Willkür weiterhin hilflos ausgeliefert, landete er im materiell wie intellektuell ärmsten Bundesstaat der USA: Mississippi. Dort bekam er am eigenen Körper zu spüren, wie systematisch und gründlich (in diesem Fall: christlicher) Fundamentalismus jedem Menschen das Leben versaut. Aus dieser Hölle auf Erden geflüchtet, sah er zu Hause die Welt mit anderen Augen.
Er gründete eine Schülerzeitung, welche von der Schulleiterin verboten wurde. Für sie waren Jesus und Meinungsfreiheit Gegensätze. Obwohl sie Regimegegnern wie ihm mit Schulrausschmiss drohte, überlebte er auch diese psychische Folter wie durch ein Wunder. Nico wurde hochschulreif, zahlte für seinen Abschluss aber einen hohen Preis: Bis heute leidet er unter den Folgen brutaler Ereignislosigkeit in 13 Jahren Unterricht.
Als Heimatloser mit Diktaturerfahrung versucht der kleine Nico seither, die gewonnene Unabhängigkeit zu bewahren. So will er mithilfe empirischer Untersuchungen herausfinden, ob ein starkes Rückgrat im Kampf um die genetische Pole-Position nicht doch von Vorteil sein kann. Sollte ihm der Beweis wider Erwarten nicht gelingen, wird er versuchen, sich in falscher Bescheidenheit zu üben. Plan B lautet dementsprechend: In Würde scheitern.

Ein Lebensspaziergang

2012: Premiere des ersten Solo-Programms FREUDE IST NUR EIN MANGEL AN INFORMATION
Seit 2008: Mehr als 100 Poetry-Slam-Siege zwischen Flensburg und Zürich, Wien und Aachen
2009: Praktikum beim Nachrichtenprogramm extra3 / NDR
2008: Praktikum beim Satiremagazin SPIEGEL ONLINE
2007: Praktikum bei ZEIT ONLINE
2006: Gründung der Mini-Stiftung und Jugendinitiative „FREI & WILLIG. Für mehr Jugendengagement in Hamburg!“
2005: Nur für Nico wird eine FSJ-Stelle geschaffen. Nach Nicos Einsatz wird sie nur wegen ihm wieder abgeschafft.
2002: Nico wird an 150 Tagen jeden Morgen in der Schule gefragt, ob er Jesus Christus in seinem Herzen als Herr und Retter akzeptiert hat. Er sagt jeden Morgen NEIN und bricht nach fünf Monaten sein Auslandsjahr ab.
1998 – 2005: Katholisches Privatgymnasium in Hamburg.

Nico Semsrott im Gespräch mit: Nico Semsrott!

Warum?
Gute Frage.
Wohnst du noch bei deinen Eltern?
Ja.
Kannst du davon leben?
Von meinen Eltern? Ja.
Wie kommst du auf deine Ideen?
Google, Wikipedia, hausarbeiten.de
Wie bist du auf die Idee gekommen, Bühnenkünstler zu werden?
Aus purer Verzweiflung. Wo kann man sonst mit so wenig Aufwand, Talent und Ahnungslosigkeit so weit kommen wie im Showgeschäft? Alles andere wäre richtig anstrengend geworden. Ich habe keine Lust, mich anzustrengen. Nieder mit der FDP!
Bist du wirklich so? Du bist doch gar nicht depressiv!
Doch, bin ich wohl. Nur auf der Bühne habe ich die Möglichkeit, mich so zu zeigen, wie ich wirklich bin. Und auch das geht nur deshalb, weil die Leute denken, dass ich da schauspielere. In echt ist es umgekehrt: Ich spiele nur abseits der Bühne eine Rolle. Wie alle anderen auch.
Heißt du eigentlich wirklich Nico Semsrott?
Nein, das ist ein Künstlername. Den habe ich mir aus gedacht, weil sich meinen bürgerlichen Namen ja niemand merken könnte. In Wirklichkeit heiße ich Klaus Hansen.
Was darf Satire?
Die Frage ist falsch gestellt. Richtig lautet sie: Was muss Satire?
Was muss Satire?
Sie muss wehtun, sie muss stören. Und zwar die richtigen. Alles andere ist belanglos, also Comedy. Belanglos macht mir hin und wieder auch Spaß, aber wenn man das Ziel, also die Arschlöcher, langfristig aus den Augen verliert, stellt sich für mich irgendwann die Frage, ob ich überhaupt berechtigt bin, vor Publikum aufzutreten. Ich finde Standup-Tragedy viel wichtiger als Standup-Comedy.
Was willst du erreichen?
Die Beseitigung des Kapitalismus.
Ernsthaft?
(schweigt, zieht sich komplett in seinen Kapuzenpulli zurück)
Und wie willst du den Kapitalismus beseitigen?
Durch Anstiftung zur kollektiven Leistungsverweigerung.

 

/// 11. Poetenabend der Veranstaltungsreihe PoetenSchmaus
GAST: Nico Semsrott mit seinem Solo-Programm “Freude ist nur ein Mangel an Information”
13.09.2012, BARON – Uni Campus // Einlass: 19.30 Uhr, BEGINN: 20 Uhr ///

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Das Programm: „Freude ist nur ein Mangel an Information“

Hier kommen die Informationen:

1. Nico Semsrott will ein Vorbild sein im Scheitern, bekommt aber nicht mal das hin. Die Kritik missversteht seine Kunst als Depri-Comedy und zeichnet ihn mit tollen Preisen aus. Jetzt gilt er als erfolgreich – für ihn ein klarer Fall von Mobbing.

2. Nico Semsrott ist einer der erfolgreichsten Slam-Poeten der deutschsprachigen Welt. Die Bilanz dokumentiert sein Versagen: Hundert Slam-Siege, unzählige Fernsehauftritte und acht schwarze Kapuzenpullover.

3. Mit seinem Soloprogramm versucht Nico Semsrott, die Zahl der Depressiven in Mitteleuropa zu verdoppeln. Das Publikum missversteht ihn und lacht ihn aus. An manchen Abenden bis zu 263 mal.

4. Nico Semsrott muss oft die Frage beantworten, ob man über Depressionen Witze machen darf, und sagt dann: „Nein, man darf nicht. Man muss.“

5. Nico Semsrott spielt Ukulele.

6. Nico Semsrott zeigt putzig-positive Power-Point-Präsentationen.

7. Nico Semsrott verkauft im Anschluss seiner Shows Unglückskekse mit deprimierenden Sprüchen.

9. Der 8. Punkt fehlt.

10. Weitere Informationen zu Mensch und Programm unter www.nicosemsrott.de

Warum er immer über Depressionen redet? Weil man sich an dem Thema so gut aufhängen kann. Woher er kommt? Aus Versehen. Wie man ihn findet? Wenn man bei Youtube »scheitern« eingibt, ist er der erste Treffer.

In seinem ersten Soloprogramm FREUDE IST NUR EIN MANGEL AN INFORMATION stellt sich Nico Semsrott gleich den wichtigsten Fragen überhaupt: Was ist Freude? Was ist das Leben? Worum geht es im Leben? Ist das Leben nur ein Investitionszeitraum? Ein Bad im Quallenschwarm? Eine nicht enden wollende Castingshow? Oder ist das Leben doch nur eine Krankheit, die per Sex übertragen wird und in jedem Fall tödlich endet?

Und: Gibt es überhaupt noch Gründe sich zu freuen?
Auf jeden Fall ist das Dasein schlimm – sehr schlimm.

Depression ist die Zukunft. Nico Semsrott ist somit ein Trendsetter, denn er ist sehr schlecht drauf. Warum, das weiß er selbst nicht so genau. Sonst wäre er ja nicht depressiv. Auf jeden Fall ist die Welt schuld – das schlechte Bildungssystem, der Druck, der Wettbewerb, Angst,,Entfremdung, Religion, Angela Merkel … und er selbst.
Kein Wunder, dass er sich da verzettelt! Und zwar sprichwörtlich: Seine traurigen Kurzreferate liest er von Zetteln ab; fürs Auswendiglernen fehlt ihm die Motivation. Dafür ist das Programm voller Überraschungen. Und manchmal wundert man sich, wie viele konstruktive Ideen auch ein Ohnmächtiger noch haben kann. Kritisch, absurd und … zum Heulen komisch.

 

/// 11. Poetenabend der Veranstaltungsreihe PoetenSchmaus
GAST: Nico Semsrott mit seinem Solo-Programm “Freude ist nur ein Mangel an Information”
13.09.2012, BARON, Uni Campus -Einlass: 19.30 Uhr, BEGINN: 20 Uhr ///

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Poetenabend mit Nico Semsrott am 13. September

/// 11. Poetenabend der Veranstaltungsreihe PoetenSchmaus
GAST: Nico Semsrott mit seinem Solo-Programm „Freude ist nur ein Mangel an Information“
13.09.2012, BARON, Uni Campus – Einlass: 19.30 Uhr, BEGINN: 20 Uhr ///

Information:

Freude ist nur ein Mangel an Information. Diesem Motto entsprechend versorgt Nico Semsrott sein Publikum mit vielen Informationen – und die zeigen eine schlechte Welt.

Der depressive Depressive betreibt in seinem ersten Soloprogramm das, was er am Besten kann: Als bitterböse Gesellschaftskritik getarnte Leistungsverweigerung. Dafür wird er mit Preisen überhäuft: dem NDR Comedy Contest, dem Karl-Marx-Poesie-Preis, dem Stuttgarter Besen (Publikumspreis) und mehr als 100 Poetry-Slam-Siegen. Ihn selbst macht das traurig: „Für einen Loser bin ich ein ziemlich schlechter Verlierer“, sagt Nico von sich selbst.

Er fühlt sich missverstanden und sieht seinen Erfolg als Mobbing, nimmt ihn aber für seine höhere Mission in Kauf: Die Zahl der Depressiven in Europa zu verdoppeln. Die Chancen stehen gut – Depression ist der Wachstumsmarkt schlechthin. Hurra.

„Ein Olympiastadion wird Nico Semsrott niemals füllen – dafür ist er zu gut.“ (PRINZ Hamburg)

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